Episode 21: Tag 16 - Murten (CH) nach Heppenheim (D)
Juli 24, 2011
Micha:So. Langsam geht es wirklich Richtung Heimat. Ein großer und vor allem für Johannes wichtiger Punkt steht allerdings noch auf dem Programm: Der Besuch bei seinem Kumpel Roman in Hofheim. Und eins vorweg. Der Kollege und seine Familie sind echt der Hammer und ein grandioser Abschluss für unsere Tour! Bis dahin sind es aber noch fast 500km.
Mit dem Ziel halbwegs nach Hofheim aufzuschließen, um am Folgetag abends bei Roman zu sein, starten wir in den Tag. Erster Dämpfer ist das Wetter. Es ist nicht wirklich schlecht, aber ein nasses Zelt verpacken fetzt einfach nicht. Egal. Ab mit den Nippes auf die Maschinen. Mittlerweile geht das so leicht von der Hand. Genial.
Noch ein letzter Blick auf den schönen Murten-See, rechts drehen und schon wird die Landschaft schneller.Wie schon am Vortag war ich von der tollen Beschilderung schweizer Straßen begeistert. Da kann man sich eigentlich gar nicht verfahren. Nur in Basel wird die Nähe der deutschen Grenze vehement ignoriert. Aber dafür gibt’s ja den Sauerkraut-Kompass vom Tom Tom ;)
Erste Amtshandlung in deutschen Landen; Ist doch klar: McDonalds-Pause. Das war alles Teil der langsamen Rückführung an heimische Ernährungsgewohnheiten. Ein Trauerspiel! ;)
Die weiteren Kilometer haben sich gar nicht sonderlich ins Gedächtnis gebrannt. Es ging einfach vorwärts. Kilometer um Kilometer fressen unsere Maschinen den Asphalt. Das Wetter mittlerweile richtig gut, macht den Flow noch angenehmer. Ständig wechselt sich das Bild von Weinbergen und einsamer Landschaft mit der Schlichtheit badischer Betonschluchten.
Jo:
Eingebrannt, ja eingebrannt haben sich in der Tat eher die Reifen in den Asphalt, als sich uns die Landschaft. Das, worin wir verfielen, müsste man wohl auch mehr als Kilometerwut oder regelrechten Wahn beschreiben. Aus irgendeinem Grund schmerzten weder die Hintern, noch waren wir müde. Stattdessen erwischten wir uns regelmäßig dabei vor Freude laut lachend um die Kurven zu bügeln. Mit dem immer besser werdenden Wetter ab Freiburg im Breisgau schien auch unsere Energie von Kilometer zu Kilometer weiter anzusteigen. Mit dieser physischen, besonders aber mit der daraus resultierenden mentalen Stärke konnten wir selbst Ampeln beschwören: "Mach grün, ich will FAHREN!!!!", war eine dieser effektiven Zauberformeln. Ohne Mist! ;)
Micha:
Ohne es wirklich zu merken beginnt es langsam zu dämmern. Die Maschinen laufen immer noch, die Fahrer sind fit, die Hintern noch nicht durchgesessen.
Langsam nervt nur das getönte Glas meiner Brille, und die sich ausbreitende Dunkelheit zwingt uns zur Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit überzugehen. Etliche Kilometer später finden wir in Heppenheim eine Pension an der Hauptstraße. Hier gibt es zu einem stolzen Preis ein tolles Bett, eine heiße Dusche und eine lecker Abendessen. Was will man mehr. Fazit der letzten Meter ist allerdings klar. Die Leute hier haben einfach zu viel Kohle. Wo es bei uns an jeder Ecke privat vermietete Zimmer gibt, über die sich nette Rentnerpaare etwas dazuverdienen, sucht man sich hier nen Wolf und scheitert kläglich.
Das Ende vom Lied: Es sind nur noch 60km bis Hofheim, wir haben knapp 430 km am Stück abgespult und am nächsten Tag bleibt genug Zeit, um uns noch um die Reifen zu kümmern.

